
Von sagenumwobenen Grotten, traumhaften Wanderungen und klingenden Glocken
Text: Rolf Storrer Foto: Gabi Ellmauer und Myrta Moor
Erlebniswoche in Waidring im Herbst 2025
Am Samstag, den 20. September, besammelten sich 24 Senior/innen um 7.45h vor dem Gleis 9. Gleichzeitig war es der Moment für ein erstes Kennenlernen. Pünktlich erreichten wir mit der S3 den Bahnhof Sargans und unser Rollkoffer-Tross bewegte sich zügig zum Auderer-Bus. Der Chauffeur lud unsere Gepäckstücke ein und wir konnten unseren Sitzplatz auswählen. Bei sonnigem Wetter fuhren wir über die Grenze in Richtung Arlberg. Kurz vor Imst, im Restaurant «Alpenrast Tyrol» hatten wir eine Stunde Zeit für unser Mittagessen. Ich entschied mich für ein Gröstl. Nach dem Ort Wörgl bremste eine Alpabfahrt unsere Reise. Die Kühe und Rindli trugen wunderschöne Blumengestecke. Eine knappe Stunde später trafen wir in unserem Ferienort Waidring ein und konnten im schönen Hotel Sendlhof unsere Zimmer beziehen. Nach dem Auspacken unserer Koffern führte uns Gabi, die Reiseleiterin, in einem übersichtlichen Bogen um das Dorf herum. Wir trafen auf den Sagenweg. Da war die übergrosse «Dorfgrille» die vor vielen Jahren dem Buben Felix geholfen hatte, sein im Bach eingeklemmtes Bein zu lösen. Es gab mehrere Stationen mit Erläuterungen zu alten Sagen. Bei den «Drei Steinernen Brüdern» verliessen wir den Sagenweg und kehrten in unser Hotel zurück. Um 18.30h wurde uns das schön präsentierte Nachtessen serviert.


Am Sonntag fuhren wir mit dem Postauto zur Sesselbahn Buchensteinwand. Von der Bergstation machten wir eine kurze Bergwanderung. Beim Jakobskreuz in der Nähe der Bergstation, besichtigten wir die Antonius-Kapelle und dann den ganzen Baukomplex des grossen Jakobskreuzes. Die unteren 3 Stockwerke konnten mit einem Personenlift besucht werden. Weitere Treppen führten zum 4. Stockwerk und darüber befand sich noch eine Terrasse. In den Armen des Kreuzes hatte es 4 grosse Räume mit Aussichtsplattformen in alle vier Himmelsrichtungen. Die Aussicht grandios und berührend.
Anschliessend wäre Zeit fürs Mittagessen gewesen, doch wir fanden im Restaurant «Weitblick» nicht genügend Plätze für die ganze Gruppe.


Wir fuhren zu Tal und kehrten im Restaurant «Bergblick» ein. Gabi führte uns mit einer kurzen Wanderung zur «Totes Meer Salzgrotte» bei St. Jakob in Haus. Zwölf Personen unserer Gruppe konnten die Salzgrotte während 50 Minuten besuchen. Wir mussten blaue Überzüge über unsere Schuhe streifen und konnten dann in die Grotte eintreten. Darin standen, in einer tiefen Salzschicht, 12 Liegestühle mit wärmenden Decken. Die Wände und die Decke des Raumes waren mit Meersand ausgekleidet. Es soll in dieser Grotte ein gesundheitsfördendes Klima herrschen. Sobald alle Gäste in den Liegestühlen weilten, wurde die Beleuchtung stark gedämmt und es ertönte eine leise, beruhigende Melodie, welche ein meditatives Stille-Sein erleichterte. Ich konnte mich sehr gut entspannen. Nach diesem eindrücklichen Erlebnis fuhren wir mit dem Postautobus zurück zum Hotel.

Anderntags rückte auf Grund der Wettersituation die strengste Wanderung auf den Plan. Für heute Montag war noch super Wetter angesagt. Ab morgen sollte sich das Wetter allmählich verschlechtern. So fuhren wir ab Fieberbrunn mit der Gondelbahn auf die Streubodenalm und dann mit der Lärchkogelbahn auf 1664 H. Nun ging es bergwärts bis zum Wildseeloderhaus auf 1854 H. Der Weg gestaltete sich relativ steil. Es gab viele Treppenstufen, welche eine beachtliche Höhe aufwiesen, zu überwinden. Für mich war dieser Aufstieg sehr kräftezehrend. Ich musste alle meine Willenskraft aufbieten um zum Wildseeloderhaus zu kommen. Anschliessend ans Essen stiegen wir den gleiche Weg wieder ins Tal. Nach etwa einem Drittel des Weges rutschte Ursula auf dem groben Geröll aus und stürzte. Am linken Schienbein bekam sie einen leichten Bluterguss und zog sich eine Hautschürfung zu. Glücklicherweise konnte sie den Abstieg trotz des Sturzes gut meistern. Mit den Gondelbahnen liessen wir uns wieder ganz ins Tal hinuntertragen.





Am Dienstag wanderten wir vom Hotel aus zur Steinplatten Gondelbahn. Diese trug uns auf 1685 H. Von da war eine Bergwanderung auf den Gipfel auf 1869 H vorgesehen. Ich hatte immer noch den gestrigen Aufstieg in den Knochen und schaffte es nicht ganz nach oben. Auf einem Bänklein wartete ich geduldig, bis die unermüdlichen Berggänger zurückkamen und ich mich ihnen für den Abstieg anschliessen konnte. Ich war nicht der Einzige, welcher es nicht auf den Gipfel schaffte. Zudem verhinderte oben der Nebel gute Sicht und dementsprechend eine gute Aussicht. Nach der Rückkehr zur Bergstation gestattete uns Gabi ein Mittagsimbiss im Restaurant Kammerkör. Anschliessend an die Talfahrt stand uns der Rest des Tages zur freien Verfügung.
Am Mittwoch hatte Gabi eine Führung im Glockenmuseum vereinbaren können. Wir mussten schon um 9 Uhr im etwa 10 Minuten Gehdistanz entfernten Glockenmuseum sein. Die Erklärungen des Vortragenden waren sehr spannend. Beim Glockenabguss muss der erforderliche Ton eher etwas zu hoch sein. Auf der Innenseite der Glocke wird sorgfältig etwas Bronzeguss abgeschliffen bis beim Glockenbimmeln der gewünschte Ton erklingt. Das Mass für die richtige Tonhöhe kann nicht mit dem menschlichen Ohr erfasst und somit geprüft werden. Die Schallfrequenz muss digital kontrolliert werden. Für jede Glocke benötigt man einen Gusskasten in welchem eine Abform der Innenseite und eine Abform der Aussenseite genau ausgerichtet ist. Die beiden Formen bestehen aus Formsand, Lehm und Pferdehaaren. Das Metall besteht aus 80 % Kupfer und 20 % Zinn und noch einigen kleinen metallischen Zugaben, die in jeder Glockengiesserei als Geheimnis gehütet wird. Jede Glockengiesserei verwendet natürlich die beste geheime Legierung.


Für die Besucher werden kleine Glöcklein gegossen, welche einen Glockenrand von 6 cm Durchmesser haben. Der Kaufpreis von 15 Euro ist sehr günstig. Ich musste unbedingt auch so ein Glöcklein mit nach Hause bringen. Nach dem Vortrag und der Besichtigung des Glockenmuseums fuhren wir mit dem Bus an den Pillersee zum Restaurant Forellenhof. Ein paar liessen es sich nicht nehmen, ein Fischessen zu bestellen und wurden positiv überrascht. Enorm grosse Portionen und vorzüglicher Fisch. Nach dem Essen wanderten wir im Naturschutzgebiet dem Pillersee entlang. Als wir zu einem Kneippbad gelangten, liessen es sich Gabi und Katrin nicht nehmen, trotz der nasskalten Witterung ins Kneippbad zu steigen. Kurz vor St. Ulrich trennte sich die Gruppe. Ein paar gingen zur Busstation kurz vor St. Ulrich und die andern machten mit Gabi eine Zusatzschleife.
Am Donnerstag marschierten wir vom Hotel ins Dorfzentrum zum Postladen, wo sich Gelegenheit bot Getränke oder Ansichtskarten zu erstehen. Bald kam der Bus zum Zentrum und wir fuhren zum Reiterdörfl. Von da wanderten wir zum 5 Sterne-Hotel Lärchenhof. Ich traute meinen Augen nicht. Gabi schritt selbstbewusst durch den Hoteleingang und wir sollten ihr folgen. Mit unseren nassen und schmutzigen Wanderschuhen wurden wir von einer Hoteldame zu einem festlich gedeckten Tisch geführt. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und als ich dann zwingend auf die Toilette musste, wurde ich mein ungutes Gefühl nicht los. Träumte ich oder war das Wirklichkeit. Wir durften unsere Getränke bestellen und als wir alle bedient waren, kam die Wahl für das Essen. Die Speisekarte enthielt ein so umfangreiches Angebot, dass die Auswahl richtig schwierig war. Um 13.30 h brachen wir wieder auf und wanderten zur Bushaltestelle Erpfendorf/Griessbachklamm. Wir fuhren bis zur Mittelschule in St Johann in Tirol. Nach ein paar Minuten trafen wir bei der Schnaps-Brennerei Aggstein ein, wo wir in das Schnapsleben eingeführt wurden. Ein ausführlicher Vortrag mit Besichtigung der riesigen Destillationsanlagen aus glänzendem Kupfer zeigte uns, wie wichtig es ist, einwandfreie Früchte zu beschaffen. Diese richtig zu behandeln, zu lagern und im richtigen Moment zu verarbeiten. Der Destillationsvorgang erfordert allerhöchste Sauberkeit und enormes Fachwissen. Die Lagerung im Eichenfass gibt dem geistigen Getränk eine gewollte Geschmacksrichtung und eine leichte Färbung. Nach vielen interessanten Ausführungen ging es endlich ans Probieren. Wir durften degustieren: Das Degustationsglas im Kreise leicht schwenken, mit der Nase den Duft des gebrannten Wassers erfassen, ein Schlücklein nehmen, durch die Nase leicht ausatmen und dann die Flüssigkeit schlucken. Für mich war es eine neue Art, mit Bedacht ein Schnäpslein zu geniessen. Zum Glück konnten wir mit dem Bus ins Hotel fahren und die Wirkung des Alkohols ohne Probleme geniessen.






Am Freitag war das Wetter wieder wie gewünscht. Wir marschierten zum Sagenweg und wechselten zum Kreuzweg mit einem Halt bei der Kapelle und der Kneippanlage. Kurzes Baden von Gabi. Beim Weitergehen sah ich eine Tafel mit einer bemerkenswerten Lebensweisheit:
«Es regnet nicht immer so, wie es Jeder gerne möchte!»
Dieser Satz hat mich enorm beeindruckt. Kurze Zeit später erreichten wir eine Bushaltestelle und fuhren nach St. Johann im Tirol. In diesem Städtchen herrschte gerade der bekannte Wochenmarkt. Gabi erklärte uns den Weg zum Markt und liess uns für den Rest des Tages freie Zeit ohne Programm. Ich besuchte den Markt und kaufte mir einen dänischen Plunder, den ich wandernd verspeiste. Etwas später begegnete ich Ruth und wir besuchten gemeinsam eine Gartenwirtschaft am Rande des Marktes. Nach der Rückfahrt nach Waidring war packen angesagt.



Am letzten Tag schien die Sonne und erleichterte das Abschiednehmen von dem freundlichen Personal des Hotels. Wir reisten mit freudigen Gedanken an unsere Erlebnisse in Tirol, in Richtung Schweiz. Als wir auf der Passhöhe des Arlberg ankamen, fuhren wir in ein Nebelpaket. Sobald wir in tieferes Gelände kamen, war der Nebel nur noch über uns. Es blieb bedeckt, bis wir den Car in Sargans verliessen. Eine Stunde später, zurück in Zürich mussten wir uns verabschieden. Eine schöne gemeinsame Woche war zu Ende.
Liebe Gabi, liebe Helen, vielen Dank für Eure gute Planung, Eure Geduld und Euer Verständnis für die diversen kleinen Missgeschicke, die immer wieder mal passieren können.
Zürich, den 11. Oktober 2025 Rolf Storrer
